J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe - Die Gefährten

"Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

So lautet der Spruch zu dem Einen Ring, der dem dunklen Herrscher Sauron dazu dienen soll, die ganze Welt von Mittelerde unter seine Herrschaft zu bringen. Mittelerde, das ist eine Fantasiewelt, die sich der Autor John Ronald Reuel Tolkien ausgedacht hat. Begonnen hatte es im Ersten Weltkrieg im Schützengraben, als er erste Gedichte verfasste und sogar eigene Sprachen ausdachte. Nun mussten diese Sprachen aber auch von jemandem gesprochen werden. So erdachte er nach und nach die Völker Mittelerdes: Elben, Zwerge, Hobbits, Orks usw. Er baute eine ganze Geschichtsschreibung und Mythologie auf, sogar die Entstehung der Welt wird in einem anderen Buch, dem Silmarillion, beschrieben. Viele Geschichten und Figuren sind der nordischen Mytholgie und auch der Bibel entlehnt. Deshalb ist es kein Wunder, dass Drachen, Schätze und Zauberringe stark an die Nibelungensage erinnern. Auch viele Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg verarbeitete er in seinen Büchern. Besonders im Herrn der Ringe finden sich viele Parallelen.

Handlung

Eines Tages erfährt der Hobbit Frodo Beutlin vom Zauberer Gandalf, dass der Zauberring, den er schon seit Jahren besitzt, einmal dem dunklen Herrscher Sauron gehört hatte. Dieser wurde zwar geschlagen, doch lebt sein Geist im Ring weiter, der geschmiedet wurde, um alle anderen Zauberrringe zu beherrschen und Sauron unendliche Macht zu verleihen. Frodo und seine Gefährten machen sich auf den Weg, um eine Lösung für das Problem zu finden. Da der Ring nur Sauron gehorcht und unbedingt zu diesem zurückkehren möchte, ist er für alle anderen Wesen nicht zu kontrollieren und führt sie in eine Abhängigkeit, treibt sie in den Wahnsinn. Darum entschließen sich Frodo und seine Gefährten, den Ring ins Land Saurons, Mordor, zu bringen und ihn dort in die Lava des Schicksalsberges zu werfen, wo der Ring einst geschmiedet worden war, um ihn dadurch zu vernichten. Auf dem Weg werden die Gefährten vielen Gefahren ausgesetzt und müssen dabei gegen äußere Feinde, aber auch gegen die Versuchung des Rings ankämpfen.

Kritik

Der erste Teil "Die Gefährten" ist der Beginn eines Dreiteilers. Darum ist der Beginn sehr langsam. Es muss zuerst noch die Hintergrundgeschichte um den Ring aufgeklärt und erläutert werden. Zudem beginnt alles im beschaulichen Auenland, der Heimat der Hobbits. Hier scheiden sich bereits die Geister. Manche Leser werden es langweilig finden, manche sehr gut. Man spürt als Leser, dass der Autor sich tatsächlich eine ganze Welt ausgedacht hat, da immer wieder Bezüge zu Ereignissen hergestellt werden, die viele Jahre vor der Handlung passiert sind. Große Spannung kommt jedoch bald auf, als Frodo den Ring erhält, Gandalf plötzlich verschwunden ist und unheimliche schwarze Reiter auftauchen. Die Beschreibung der Wanderung der Hobbits und das Auftreten der Reiter sind äußert gelungen, da man stets die Gefahr spürt, obwohl die Hobbits noch im Auenland unterwegs sind. Durch die genauen Schilderungen der Szenen kann man sich als Leser alles sehr gut bildlich vorstellen. Es gibt im Buch viele Stellen, an denen Geschichten aus alter Zeit erzählt werden, viel geredet wird und wenig passiert. Das ist wieder Geschmackssache. Entweder man möchte mehr über Mittelerde erfahren oder man möchte die Handlung schneller voranbringen. Wenn die Gefährten sich gefunden haben und von Bruchtal aus dann aufbrechen, nimmt die Handlung allerdings an Fahrt auf. Hier kommen auch "ungeduldige" Leser voll auf ihre Kosten. Ständig droht Gefahr, spektakuläre Kämpfe entbrennen und zum Schluss zerfällt die Gemeinschaft sogar. Die Gespräche zwischen Gandalf und Frodo sind immer wieder interessant, da man sich dadurch in die Innenwelt Frodos hineindenken kann. Er leidet unter einem unfassbar großen Druck, denn das Schicksal ganz Mittelerdes lastet auf seinen Schultern. Er ist oft völlig verzweifelt, doch kann seiner Situation nicht entfliehen. Er muss seine Aufgabe erfüllen, denn letztendlich kann ihm niemand helfen. In der Zwergenmine Moria wird Gandalf von einem alten Dämon, dem Balrog, in einen unendlichen Abgrund gerissen, was einen herben Schlag für die Gefährten darstellt. Der Ring verführt einen der Gefährten, den Menschen Boromir. Dieser möchte den Ring einsetzen, um damit die Armeen Saurons zu vernichten. Frodo ahnt, dass der Ring hier seine Finger im Spiel hat und flieht vor Boromir. Als dieser bemerkt, dass der Ring seine Sinne vernebelt hat, ist es bereits zu spät. Ein Trupp Orks tötet ihn, während er versucht, zwei der Hobbits zu retten und seinen Fehler zu korrigieren. Boromir hatte ein gutes Herz gehabt, doch konnte er dem Ring nicht widerstehen. Fortan geht es darum, in dieser denkbar schlechten Situation aufzugeben oder doch einen Halt zu finden und sich ein neues Ziel zu setzen. Boromir ist tot und die beiden Hobbits, die er schützen wollte, werden von den Orks gefangen genommen und sollen zum verräterischen Zauberer Sarum gebracht werden. Frodo möchte allein nach Mordor weiterziehen. Trotz der fast aussichtslosen Situation folgt Frodos Diener Sam diesem. Frodo weigert sich zunächst, da er Angst hat, der Ringe könnte Sam auch vernichten, doch entschließen sich beide, die Reise gemeinsam fortzusetzen. Die restlichen Gefährten Aragorn, der Zwerg Gimli und der Elb Legolas verfolgen die Orks, die die beiden Hobbits Merry und Pippin entführt haben, um sie wenigstens nicht im Stich zu lassen. Die Handlung trennt sich nun in mehrere Handlungsstränge auf. Einfache, aber immer wieder vermittelte Botschaften des Buches sind: Niemals aufgeben, sich Problemen stellen, Fehler verzeihen und Menschen in Not aus der Patsche helfen. Außerdem geht es immer wieder um die Frage, wie große Macht in der Hand von Menschen völlig außer Kontrolle geraten kann und deren Charakter grundlegend verändert. Gerade die Figur des Zauberers Saruman zeigt, wie aus einem ehrbaren, gebildeten Mann durch die Möglichkeit der Erlangung totaler Macht ein egoistischer und verräterischer Tyrann werden kann. Auch wenn Fantasyliteratur oft als weltfremd verschrien ist, zeigt der erste Teil des Herrn der Ringe doch, wie lebensnah und menschlich jede Art von Literatur sein kann. Die Probleme Mittelerdes sind Probleme unserer Welt und die Charaktere sind nicht platt und klischeehaft, sondern so komplex und vielschichtig wie der Mensch.

 

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