Star Wars - Das Erwachen der Macht (FSK 12)

 

Da ist er also, der neue Star Wars. Lange musste man darauf warten, die Erwartungen waren riesig. Doch sind sie auch erfüllt worden? Es gibt natürlich viele verschiedene Arten von Kinozuschauern, die sich den Film angesehen haben: Die Fans, die mit der alten Trilogie aufgewachsen sind; die, die mit der neueren, der Prequel-Trilogie aufgewachsen sind; die, die noch keinen Film vorher gesehen haben... soll es geben; die, die bisher alle Filme schlecht fanden; die, die bisher alle toll fanden... und so weiter und so fort.

 

Diese Filmkritik soll sich an alle richten, die den Film bereits gesehen haben, also

VORSICHT, SPOILER!!!

 

Zunächst ist zu bemerken, dass der Regisseur, J. J. Abrams, sich sehr viel Mühe gegeben hat, den 7. Teil an die Episoden 4 bis 6 anzulehnen. Er hat einen Film gemacht, vor allem für die Zuschauer, die Fans der alten Trilogie sind. Da er selbst ein solcher ist, kann er sich gut in diese hieinversetzen. In dieser Hinsicht ist der neue Star Wars genau das: ein Fanfilm. Er strotzt nur so vor Referenzen zu den alten Filmen, seien es Auftritte irgendwelcher Nebencharakteren wie unser aller Liebling Admiral Ackbar ("It's a trap!") oder Parallelszenen wie die Verfolgungsjagd auf Jakku, als Finn und Rey sich im Millennium Falcon zurechtfinden und die Tie Fighter mit der Bordkanone wegpusten wie einst Luke und Han. Selbstverständlich geht einem dann das Herz auf, wenn Han Solo und Chewbacca unerwartet in Tür öffnen und sich gleich "zu Hause" fühlen in ihrer alten "Schrottkiste". Solche Verweise auf die alten Filme gibt es zuhauf und sie funktionieren wirklich so gut wie alle wunderbar. Für Fans der alten Streifen, die einfach noch einmal dasselbe Menü möchten, visuell aufgepeppt, ist dieser Film genau richtig!

Generell bietet der Film natürlich auch für den Nicht-Star-Wars-Nerd rasante Unterhaltung, tolle Effekte, Spannung und typisches Popcornkino. Diesen Standard erfüllt der Film allemal, er ist zu keinem Zeitpunkt langweilig.

Nun muss man sich aber auch fragen, ob man das nun so stehen lassen kann. Denn eines muss man doch sagen: Der Film segelt in sicheren Gewässen. Dort zwar extrem elegant, doch viel gewagt an Neuerungen wurde nicht. Da gibt es, auch wenn es selbstironisch extra noch erwähnt wird, einen neuen Todesstern, er wird auch nahezu auf die gleiche Wiese zerstört. Rey wird, wie Luke, ahnungslos von einem Wüsenplaneten durch die Entdeckung eines kleinen Droiden (BB-8), in den Konflikt des Widerstandes gegen die Erste Ordnung geworfen. Damals waren es die Rebellen und das Imperium. Es ist teilweise so gleich und parallel erzählt, dass es fast weh tut. Die Story hätte mit den neuen Charakteren gerne in eine andere Richtung laufen können. Die Starkiller Base, der neue Todesstern, war nicht vonnöten, wird er am Ende des Films auch zünftig entsorgt. Gerne hätte man hier mehr auf den neuen Dark-Side-Typen Kylo Ren eingehen können, ist er doch erfrischend neu in seiner Art als Möchtegernbösewicht, der von der hellen Seite der Macht verführt wird. Eine Erklärung, wie das alles zustande kam, gibt der Film nämlich nicht oder nur sehr spärlich. Der große Bösewicht Snoke ist leider sehr flach und eindimensional geblieben, ein CGI-Riese ohne Seele. Das Verhältnis zwischen Kylo Ren und seinen Eltern ist ebenfalls sehr oberflächlich angerissen und funktioniert irgendwie nicht besonders gut. Leider gibt es im Film einige dieser Baustellen, die nicht vollendet wurden... was allerdings Hoffnung macht auf den nächsten Film. All diese offenen Fragen könnten und müssen dort eigentlich sogar beantwortet werden. Momentan sorgen sie noch für allerlei Theorien, wie z.B. die, dass Snoke der alte Meister des Imperators ist, Darth Plagueis, der dessen Attentat überlebt hat. Dann könnte auch noch gleich die Herkunft Anakins/Darth Vaders erklärt werden, dass Plagueis diesen nämlich durch seine Fähigkeit, Leben zu erschaffen, geboren hat.

Insofern muss man den Film als ersten Baustein, als Neustart in die neue Trilogie sehen, der die Aufgabe hat, das alte Feeling, den alten Groove, zu reaktivieren und aufzupolieren, um dann dem nächsten Film den Raum zu geben, wirklich eine neue Geschichte zu erzählen. Denn genau das hat Das Erwachen der Macht nicht getan.

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